Interview: Model Kristina Diener

Liebe Leserinnen,

es vergeht kein Tag, an dem mich nicht eine Nachricht erreicht, die etwas mit Plus Size Models zu tun hat. Daher habe ich, schon vor zwei Jahren, angefangen einen ganzen Bereich mit Informationen dazu aufzubauen.
Ich treffe in meinem Job aber nicht nur die Stars und die ganz Großen, viel interessanter sind oft diejenigen, die noch nicht so lange dabei sind. Die sich noch erinnern, wie es war, als sie gestartet sind und die noch am Anfang einer vielleicht großen Modelkarriere stehen.
So eine ist zum Beispiel Kristina Diener, die, wenn ich meine Fotos von den Shows so durchschaue, schon mehr als einmal meinen Weg gekreuzt hat.
Heute habe ich die Freude, sie euch näher vorzustellen:

Bruce Darnell Plus Size Model Kristina Diener
Kristina auf dem Laufsteg.

Hallo Kristina, stelle Dich einmal kurz vor.

Hi, ich bin Kristina Diener oder kristik und lebe in Hamburg. Ich bin jung ;) und habe immer kontrolliert einige Hummeln im Popo :-) Ich bin gebürtig aus Kirgisistan, lebte aber bereits auch in China, Amerika und eben Deutschland. Ich habe sehr oft Fernweh, liebe fremde Kulturen. Und bin nicht abgeneigt auszuwandern oder es zumindest für paar Jahre zu versuchen. Ich habe Kommunikationsdesign studiert, arbeite aber als Entwicklungsleiterin in der Programmierung. Ich liebe Klarheit und kein wischiwaschi. Dafür bin ich zu emotional und harmoniebedürftig, wie der Stier halt so ist.

Du arbeitest seit einiger Zeit als Plus Size Model, wie ist es dazu gekommen?
Ich möchte gern vom Märchen, was sich erfüllte, erzählen ;-) In der Spitalerstraße (Anmerkung; das ist eine große Einkaufsstraße in Hamburg) wurde ich 2011 von Curve Model Management angesprochen. Ich war total aufgeregt, habe nur die Hälfte verstanden, weil ich diese Nische gar nicht kannte und für mich ein Model immer eine 34/36 trug.

KristinaDiener photo by SilvanaDenker
©Photo: Silvana Denker

Aber es kommt noch besser: Als ich damals angesprochen wurde, war ich mit einem Date unterwegs. Ich war hübsch gekleidet und hab wohl gelächelt. Eine richtige Glückssträhne würde ich sagen. Am richtigen Ort zur richtigen Zeit gewesen zu sein. Ganz klassisch wurde ich dann in die Agentur für Polaroids bestellt. Ich wurde begutachtet, fotografiert und dann sollte ich unterzeichnen. Und jaaaa: das Date verlief auch sehr positiv. Mittlerweile sind wir 4 Jahre zusammen. Fazit: sei immer auf der Hut, mach dich immer zurecht. Du weißt nicht, wer dir über den Weg läuft.

Über die Modelbranche hört man ja so einiges, wie sind Deine Erfahrungen?

Eine verrückte Welt. Da ich ja klassisch im Büro arbeite, ist es der größte Spagat, den man sich vorstellen kann. Ich finde diese Achterbahnreise „heute sind wir Künstler, frei, alle lieben sich, klatschen sich in die Hände, umarmen sich und hoffen auf ein Wiedersehen – klasse Job.“ Und am nächsten morgen im Büro wirst du nicht mal angeguckt, wenn du reinkommst – das ist schon hart.

Interview Plus Size Model Kristina Diener Bestseller behindthescene
Kristina am Set.

Das ist aber nur so, wenn du für shootings gebucht bist. Noch anders ist es, wenn du einen Laufstegjob hast. Hier ist mehr Ellenbogen Verhalten angesagt. Die Mädels wollen nicht nur eine gute Show liefern, sondern auch von sich überzeugen und die Bühne auch für sich nutzen um entdeckt und evtl. gebucht zu werden.

Im Scheinwerferlicht! Bei einem Shooting für Samoon.

Bei Castings ist es auch wieder anders. Vor allem wenn man sich schon untereinander kennt. Hier bekomme ich weniger Konkurrenzkampf mit. Meistens sprichst du alleine vor. Da stört niemand. Die Modelbranche macht mir am meisten Spaß wenn man mit plus und straight zusammenarbeitet. Man hat somit gar kein Konkurrenzverhalten und es ist interessant sich auszutauschen. Ich mag mich auch nicht nur in den Plus Kreisen tummeln.

Interview Plus Size Model Photo AndreasGrav
Auf der Modenschau der AMD ©Photo: Andreas Grav
Samoon
Und eines der Ergebnisse für Samoon.

Meinst Du, dass die Modelbranche bei den 42+ Größen anders ist?

In meinen Augen ist sie immer noch jung. Man kommt viel rum, sieht oftmals gleiche Gesichter. Das bedeutet nicht  „man hat alle Kunden durch“ sondern, dass es einfach immer noch viel zu wenige sind. Viele arbeiten nur mit Inlandmodels, da diese den kürzeren Weg haben. Manche finden es toll zu sagen: Ich habe ein Model aus NY. Und manche wollen dich um jeden Preis. Ist mir nicht vorgekommen (lach) – Letzteres sind eher Parallelen zu den straight Models.
Die Plus Modelbranche kämpft allerdings viel stärker für Vielfalt und einfach auch größere Modellvielfalt im Katalog, Kampagnen und Laufsteg. Als Plus darfst du von 38 bis 54 auf der Bühne stehen, während straight sich nur im 34/36 Bereich tummelt. Konfektion 38/40 hat es eher in Italien gut.

Bestseller
Kristina für die Bestseller Kampagne, zu denen auch Junarose gehört.

Ich muss sagen, dass ich für Vielfalt bin, aber eher in einer Peopleagentur und eher fürs Auge. (Anmerkung: eine Peolple Agentur vermittelt viele verschiedene Typen an TV und Industrie, da der Fokus hier nicht auf der Präsentation von Mode liegt, gibt es eine größere Auswahl)

Bei der Präsentation von Highfashion habe ich eine klare Meinung: Ich bin für 42/44 als plus und 34/36 für straight. Ich selber bin keine 42/44  würde dann aber darauf hinarbeiten müssen, wenn ich das Größenkriterium erfüllen möchte.

Ich bin auch für „schweppes Gesichter“, Tatoos und Sommersproßen. Diese Menschen sind wunderschön und interessant und werden auch immer gefragt sein. Dann gibt es noch Kunden, die klar eingrenzen. Aber auch diese haben oft mehr Kriterien als nur Straight Size. Die suchen eher einen bestimmten Typ. Auch das können Chancen im Plus Bereich sein. (Anmerkung: das könnte z.B. so ein Typ wie Denise Bidot sein, die zur Zeit in vielen Plus Size Kampagnen zu sehen ist)

Model KristinaDiener photo by UlfKruegerIch habe in keinem Job Unfreundlichkeit erlebt, egal wie teuer das Model war. Ich habe auch nicht erlebt dass die straight-size Models ständig auf Diät sind. Im Gegenteil: Ein Plus Size Model kämpft häufiger mit Abnahme und Zunahme.

Dein schönster Moment in Deiner Modellaufbahn?

Es gibt nicht den einen Moment. Es sind Mehrere im Laufe von jedem Job:
Die Nachricht: „du bist gebucht“.
Wenn der Fotograf dich kritisch begutachtet und dann aufschaut und „wow“ sagt.
Wenn der Job vorbei ist und der Kunde zufrieden ist.
Wenn man nochmal eine Mail von der Agentur mit Feedback bekommt.
Wenn daraus Folgen entstehen: weiteres booking oder Aufnahme in Auslandsagenturen.
Lob, Liebe, Anerkennung sind Motivationsschübe im ganzen Prozess eines Jobs. Und diese Momente strebe ich natürlich immer an und erlebe sie zum Glück sehr oft.

Plus Size Model KristinaDiener photo by AlexandraGor
Ganz Lady. ©photo: Alexandra Gor

Zur Zeit sind Kurven gefragt und auch ein Trendthema. Was denkst Du, ist das nur vorübergehend?

Kurven bekommen mehr Achtung denn je, würde ich mal behaupten. Mit #IAmNoAngel wurden die Redakteure wieder wach und dann kam auch noch Tess Holliday aufs Cover der People und wenn mir meine Freunde, Bekannte und Verwandte, die absolut nichts außer mich mit der Branche in Verbindung bringen, Links zusenden, dann denke ich mir: Jap, jetzt hat es Gong gemacht.

Model KristinaDiener photo by LukasGenert
Eines meiner Lieblingsbilder. ©photo: Lukas Genert

Es ist nicht nur eine Nachricht, die bald vergessen sein wird, sondern es wird immer ein Thema sein. Leider braucht keine Zeitschrift nette Stories. Es geht immer nur um Magermodels oder extreme Plus Size, was ja Stoff zum Aufregen liefert. Ich muss sagen, dass das Modeln im Plus Size als Beruf noch nicht anerkannt und akzeptiert ist. Es ist aber auch nicht nur ein Trendthema. Es wird immer kurvige Frauen geben. Und auch immer neue Diskussionen drumherum.

Wenn man jetzt ganz neu anfängt, was würdest Du einem Neuling raten?

Ich werde oft angeschrieben: Wie kann ich Model werden? Oder bereits Models, die fragen: Wie kann ich mehr Jobs bekommen?
Wie kannst du Model werden: Du musst dich hübsch zurecht machen. Jeden Tag! Denn es kann immer sein, dass du angesprochen wirst. So war es zum Beispiel bei mir. Oder du machst es klassisch und bewirbst dich mit guten Fotos. Es ist wichtig schon eigene Fotos, die dich vielfältig zeigen, mitzubringen. Bloß keine zu dollen Retusche- oder Fantasybilder! Da sieht man nicht wie du bist.

Model KristinaDiener im Interview photo by AlexandraGor
Wandelbar sein ist wichtig in diesem Job. ©photo: Alexandra Gor

Auch sehr gute Polas solltest du immer haben. Wenn es beim ersten Mal nicht klappt, nicht aufgeben. Du entwickelst dich ja weiter und solltest das nochmal zeigen zu einem späteren Augenblick. Und wie schon im im Interview gesagt: die Kriterien einer Agentur spielen keine Rolle. Es gibt bei manchen keine Mindestkörpergröße auch keine Maßenverhältnisse (90-60-90), die angestrebt werden.
Jeder, der bereits in einer Agentur ist: Geduld, immer Fotos aktuell halten und mit den Agenten sprechen. Ich hatte innerhalb meines ersten Jahres 3 Jobs und war total traurig, weil ich es liebe vor der Kamera zu stehen und auch selber finde, dass die Kamera mich mag und mich toll erfasst, aber es wurde nicht mehr. Damals riet mir ein Model: Geduld und Fotos aktuell halten. Ich kann das nur weitergeben.
Und auch ich arbeite als Model nicht regelmäßig. Es gibt ruhige und turbo Phasen ;)
Auf dem Boden bleiben, nicht so viel erwarten. So freut man sich umso mehr!

Plus Size Model Interview KristinaDiener Photo by UlfKrueger
Hinreißendes Träumerle. ©photo: Ulf Krüger

Was werden wir in Zukunft von Dir sehen? Welches sind Deine nächsten Projekte?

Gute Frage. Da ich mich in meinen Augen eher als ausführende Kraft – also „die Puppe“- sehe, habe ich keine eigenen Projekte im Plusbereich. Ich blogge nicht, ich habe keinen Kalender, ich habe auch keine Show, die ich veranstalte, kein Lable und auch keine Agentur oder ähnliches. Ich bin nur ein Teil all dieser Projekte, wenn ich gebucht bin über einer der mich vertretenden Agenturen.

KristinaDiener Plus Model photo by ClaudiaMasur
Immer die beste Bewerbung: ein strahlendes Lächeln. ©photos: Claudia Masur.

Leider darf ich bis zur Veröffentlichung der Kunden auch nichts sagen und muss alles für mich behalten. Man darf aber schonmal verraten, dass man mich am 12.6.15 in der Jury  des Casting für die PSFD bei Ulla Popken in Hamburg trifft.
Wer möchte, kann meiner Fanpage auf Facebook  oder mir über meinem Instagram Account folgen. Da sage ich dann auch, wenn ich kann, wo es hingeht

Meine privaten Projekte wären demnächst: Tanzkurs! Ich liebe heiße Rythmen und suche gerade einen Tanzpartner für Salsa etc. Außerdem: einen Tisch für die Küche bauen, ein Sommerkleid nähen. Mein Wunschprojekt: Mein Haar auf boblänge schneiden.
Für die Zukunft suche ich mir aber trotzdem immer Projekte. Ob das irgendwann im Bereich Plus landet, weiß ich nicht. Eigene Geschäftsidee, Kinder bekommen, Buch schreiben, Chefin werden oder angestellte bleiben steht noch in den Sternen, denn so wie es jetzt ist, bin ich rundum zufrieden.

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Behind the scenes und sicher auch ein Erfolgsrezept: mit Kristina hat man jede Menge Spaß am Set.

Liebe Kristina, ich danke Dir für dieses schöne Gespräch. Jetzt weiß ich auch, warum wir immer so gut klar kommen. Ich schätze, dass es daran liegt, dass Du schon an viele Orten auf der Welt gelebt hast. Das macht in der Regel viel offener und unkomplizierter, das ist zumindest meine Erfahrung mit solchen Menschen, weil die gelernt haben, dass viele Wege nach Rom führen.
Ich bin gespannt, wie es bei Dir weiter geht und freue mich, wenn ich Dich mal wieder auf einem Laufsteg sehe.

So wie hier, letzte Saison auf der Curvy (Frau in Rot ;-))

Über Ulrike Bartos 381 Artikel

Mehr als 15 Jahre Erfahrung in den digitalen Medien, Media Marketing und Kommunikationsprofi. Inhaberin von miss BARTOZ und consulting für digitale Markenkommunikation, Content Marketing, freie Honorardozentin www.ulrikebartos.de

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