Wohl in meiner Haut – ihr seid gefragt.

Liebe Leserinnen von miss BARTOZ,

ich weiß, dass einige sich für Themen wie Akzeptanz, Selbstwertgefühl und “Wohl in ihrer Haut” interessieren. Diese Themen kommen hier auch mal vor, aber es gibt auch Profis, z.B. Gisela Enders, die einige von euch vielleicht von ihren zahlreichen Projekten auf diesem Gebiet kennen.
Jetzt ist Gisela Enders mit einem neuen Projekt auf mich zugekommen: ein Buch, das sie noch im Sommer diesen Jahres auf den Markt bringen wird.

Ein Buch entsteht meist in zwei Phasen. Die erste kostet Zeit für die Autorin, die zweite kostet Geld, welches wahlweise ein Verlag oder eben jemand anders finanziert. Die erste Phase ist nun abgeschlossen, das Manuskript ist fertig. Für die zweite Phase hat sich leider kein Verlag gefunden, das Thema scheint immer noch zu sehr ein Randthema zu sein. Also Selbstverlag. Nun muss die Grafikerin bezahlt werden und der Druck einer ersten kleinen Auflage. Dazu soll mit einer Startnext-Kampagne 5.000,- € gesammelt werden. Neben freien Spenden besteht auch die Möglichkeit, aus einer ganzen Reihe von Danke Schöns auszuwählen. Natürlich gibt es das fertige Buch als Dankeschön, es gibt aber auch die Möglichkeit, mit aufs Titelbild zu kommen. Und noch viele andere große und kleine Goodies.

Es kommt kommt nicht auf die Höhe an, sondern mit eurem Engagement, einem “like” oder auch gern fünf Euro finanziert ihr das Projekt mit und stärkt auch das Thema. Aber gern könnt ihr auch ein paar Scheinchen mehr zücken. Zur Crowdfoundingkampagen geht es hier: KAMPAGNE WOHL IN MEINER HAUT

Gisela Enders über das Buch:

“Ziel des Buches ist es neue Wege aufzuzeigen, wie man ohne Schuldgefühle egal mit welchem Gewicht ein glückliches und gesundes Leben führen kann.

Das Buch gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil geht es um wissenschaftliche Erkenntnisse, die nachweisen, das Diäten langfristig nicht funktionieren und Gewicht für die Lebenserwartung keinen Unterschied macht. Der einzige Unterschied liegt in der Bewegung. Dies gilt aber für jedes Gewicht. Im zweiten Teil geht es um praktische Tipps und Techniken, wie Selbstakzeptanz sich Schritt für Schritt entwickeln kann.

Ich habe dazu viele Workshops und Coachings gegeben und musste mit vielen versteckten Überzeugungen, Ängsten und Gesellschaftsvorstellungen umgehen. Diese Erfahrungen und viele Berichte von anderen dicken Menschen fliessen hier in das Buch mit ein. Es geht um Themen wie Selbstakzeptanz, eigene Zweifel und Rückfälle, Umgang mit den lieben Mitmenschen, Liebe und Sex, Sport und Bewegung sowie natürlich auch der Umgang mit Essen.”

Über die Autorin

Gisela Enders, geboren 1967. Lebt und arbeitet in Berlin. Seit 2008 ist sie Coach und Trainerin, in den Bereichen Persönlichkeitsentwicklung, Teamaufbau und Unternehmensberatung. Im Rahmen dieser Tätigkeit arbeitet sie auch mit Menschen mit Gewichtsthemen, wahlweise im Einzelcoaching, in Workshops oder über Online-Kurse.

Seit 20 Jahren engagiert sie sich für die Akzeptanz von dicken Menschen. Im Rahmen dieses Engagements ist sie Gründerin von Dicke e.V., diskutiert in Talkshows, veröffentlicht Artikel und gibt Kurse.

Außerdem schreibt sie Bücher zum Thema. 2001 ist „Dick das Leben leben“ erschienen und 2009 „Schwierige Bilder“.

Hier noch ein Interview, dass euch die Autorin, ihre Themen und das Buch näher bringt:

Interview:

Liebe Gisela, kannst Du Dich kurz vorstellen?

Gerne, mein Name ist Gisela Enders, ich bin 47 Jahre alt, verheiratet und lebe in Berlin. Ich arbeite als Coach und Trainerin und freue mich über jede Entwicklung und Veränderung von den Menschen die ich begleite. Nebenbei schreibe ich Blogs (www.4xl.info) und Bücher. Ich war in meinem Leben schon immer dick und habe – nach einer üblichen Diätphase von einem zarten Alter von 10 bis etwa 25 – entschieden, dass ich mich so annehmen will, wie ich bin. Das tue ich jetzt seit fast 25 Jahren und es geht mir sehr gut damit.

Warum hast Du jetzt wieder ein Buch geschrieben?

Weil es immer noch zu viele Menschen gibt, die sich zu dick fühlen und die sich eben nicht wohl in ihrer Haut fühlen. Ich finde das so schade. Wir haben einen Körper geschenkt bekommt, es sollte sich gut und eins anfühlen, wenn wir diesen lieben und was machen wir stattdessen? Wir geben ihm nichts zu essen und hassen ihn. Wir können ihn nicht mal nackt im Spiegel betrachten. Wir schneiden sogar Teile ab und zerstören gesunde Organe. Ich hatte den Eindruck, dass sich dies in den letzten Jahren verschlimmert hat und irgendwann war der Impuls da, meine anderen Erfahrungen im Umgang mit dem eigenen Körper in einem neuen Buch zu schildern.

Was für Erfahrungen sind das?

Die Erfahrung, dass Diäten langfristig dick machen. Ich habe sie selbst gemacht, mittlerweile ist dies aber auch reichlich oft wissenschaftlich nachgewiesen. Eine zweite Erkenntnis liegt in großangelegten Langzeitstudien, die nachweisen, das Gewicht bei der Lebenserwartung keine Rolle spielt.

Das ist interessant. Was spielt denn eine Rolle?

Eine wesentliche Rolle spielt regelmässige Bewegung und die Reduktion von Stress. Grundsätzlich macht es keinen Unterschied, ob ein dicker Mensch immer nur rumsitzt oder ein schlanker Mensch. Beide erhöhen die Wahrscheinlichkeit früher zu sterben. Aber wenn man sich regelmässig bewegt, gibt es so gut wie keinen Unterschied. Deshalb gibt es im Praxisteil des Buches auch ganz viele Beispiele, wie Bewegung aussehen kann und wie wir unsere negativen Bilder von Sport wandeln können. In meinen Workshops suchen wir die Ursprungserfahrung, ab welchem Zeitpunkt Sport keinen Spaß mehr gemacht hat. Als Kinder haben wir uns freudig bewegt, uns nichts dabei gedacht. Doch dann hat vielleicht ein Junge aus der Schule eine dumme Bemerkung gemacht, die Lehrerin hat etwas Negatives im Sportunterricht gesagt oder was auch immer – bei den meisten finden sich Bemerkungen, die immer noch im Gehirn gespeichert sind und die die Meldung abgeben: Sport ist nichts für mich! Das gilt es zu wandeln, neue Erfahrung und andere Sätze zu etablieren. Und Bewegung muss ja nicht gleich Sport heißen. Ein kleiner Spaziergang, ein Tänzchen im Wohnzimmer, morgendliches wohliges Stretchen sind doch alles schöne kleine Bewegungsformen, die einen Anfang ohne Widerstand ermöglichen.

Zum Thema Stress muss ich bei dicken Menschen eigentlich nicht viel sagen, selbstgemachter Stress geht schon morgens los, wenn die Waage bestiegen wird. Der Stress in der Gesellschaft ist dann vielfältig und geht schon damit los, dass sich dicke Menschen fast nie 100% dazugehörig fühlen.

Du sprichst von einem Praxisteil, wie muss man sich den vorstellen?

Wenn ich nicht mehr die nächste Diät plane und das Leben schon heute losgeht und nicht erst, wenn ich X Kilo abgenommen habe, wie gestalte ich dann mein Leben? Das ist ein bisschen provokant gefragt, aber ich bin viele Lebensbereiche durchgegangen und habe wahlweise Interviews und Berichte von Menschen aufgenommen, die neue Wege gefunden haben oder ich stelle Techniken vor, wie man selbst neue Wege und neue Gedanken für sich finden kann. Die Bereiche decken hoffentlich viele Aspekte des Lebens ab, wie das eigene Selbstbild, der Umgang mit Verwandten und Freunden, Liebe und Sex, Sport und Bewegung, Mode und natürlich das Verhältnis zum Essen.

Warum finanzierst Du das Buch über eine Crowdfunding Kampagne?

Zum einen natürlich, um das Buch zu finanzieren. Zum anderen aber auch, um zu sehen, ob es ein Interesse für dieses Buch gibt. Außerdem ist die Interaktion bei einer solchen Kampagne toll. Beispielsweise können Menschen, die 40,- € spenden, mit aufs Titelbild. Sie werden so Teil des Buches und machen deutlich, dass sie zu den Menschen gehören, die sich wohl fühlen oder die sich auf diesen Weg machen wollen. Ich bin selber sehr gespannt, wie das Titelbild am Ende aussehen wird.

Wann wird das Buch erscheinen?

Das hängt von der Crowd ab. Wenn ich bis zum 12.4. die 5.000,- € gesammelt hat, kann das Buch im Juni 2015 erscheinen. Es kann dann über die üblichen Wege wie Buchhandel oder übers Internet für 17,90 € gekauft werden.

Ursprünglich hatte ich gehofft, dass es zum Internationalen Anti Diät Tag im Mai fertig wird, aber dafür waren die Startprozesse bei Startnext langwieriger als ich dachte.

Du hast bereits Bücher geschrieben und veröffentlicht. Worum ging es dabei und wie kam es dazu?

Mein erstes Buch hieß „Dick das Leben leben“ und ist ein bisschen ein Vorgänger zum jetzigen Buch. Auch dort ging es um die eigene Akzeptanz, um viele Informationen zum Scheitern von Diäten, die damals um die Jahrtausendwende im deutschsprachigen Raum kaum verfügbar waren. Mittlerweile sind die Zahlen und Informationen nicht mehr aktuell, deshalb habe ich mich 2011 entschieden, dass Buch aus dem Markt zu nehmen und mich an ein neues Buch zu wagen.

„Schwierige Bilder“ ist 2009 erschienen und ist besonders für junge Frauen gedacht. In einem Mailwechsel tauscht sich eine Schülerin mit ihrer Tante aus, beide sind dick, die Tante macht Mut und ermöglicht ungeahnte Möglichkeiten.

Du hast vor einigen Jahren Dicke e.V, www.dicker-verein.de gegründet, warum?

Es gibt wenig Stimmen im deutschsprachigen Raum, die sich für die Akzeptanz von dicken Menschen einsetzen und die deutlich machen, dass kein Mensch ein Recht hat dicke Menschen zu diskriminieren, dies aber dennoch alltäglich passiert. Dicke e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, so eine Stimme zu sein. Leider ist der Verein recht klein, aber gerade über das Internet erreichen wir sehr viele Menschen mit unseren Informationen und bekommen gutes Feedback von Menschen, denen wir Mut machen können.

Warum machst Du das alles?

Weil ich es einen Skandal finde, wie mit einer Gruppe von Menschen, in diesem Fall Menschen mit Gewicht in unserer Gesellschaft umgegangen wird. Und genauso skandalös finde ich, das wir uns so wenig wehren und vieles einfach mit uns machen lassen. Da muss man doch was ändern!

Bilder: © Stefanie Schmitt

 

Über Ulrike Bartos 380 Artikel
Mehr als 15 Jahre Erfahrung in den digitalen Medien, Media Marketing und Kommunikationsprofi. Inhaberin von miss BARTOZ und consulting für digitale Markenkommunikation, Content Marketing, freie Honorardozentin www.ulrikebartos.de

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