Eitelkeit schlägt Fitness: Street Dance

miss BARTOZ turnt, die Sport-Kolumne: Urban Street Dance

Nachdem ich mich nun von lateinamerkinanischem Rumhopsen musikalisch erholen musste (siehe Vorwoche), wurde ich auf diesen Kurs, in meinem Sportverein, aufmerksam. Eigentlich bin ich doch sowieso die kleine Schwester von Missy Elliott oder was!

Bist Du dafür nicht zu alt?

Am meisten Schiss hatte ich eigentlich davor, dass hier alle 16 und ein Keks alt sind. Viele sind tatsächlich erst Anfang zwanzig, ein paar sind älter, aber Kinder sind keine dabei. Ich bin die älteste und die dickste. Frisches Blut hält ja bekanntlich jung. Dann wollen wir mal.

Der Kurs ist nicht besonders voll. Auffällig: in diesem Tanzkurs gibt es auch Männer und zwar nicht solche, die Aromakerzen anzünden, sondern richtige Jungs in weit geschnittenen Hosen und dem Groove in den Füßen. „Jetzt bloß nicht so jungerwachsenen Gesten machen dann biste raus“ denke ich und spare mir mein total peinliches „Jo man“.

Und was will die hier?

Alle schauen erst mal, was die Neue hier will und kann. Neu, dick und älter. Vielleicht bin ich gar nicht da für die. Es gibt ein langes Aufwärm- und Dehnprogramm. Das ganze sehr tänzerisch, was mir gefällt. Danach hätte ich auch gut schon gehen können oder runter an die Bar, das Programm für heute mit so einem Shake beenden. (Memo an mich: fragen ob, Shake-trinken auch als Kurs angeboten wird.)

Bei dem Teil, in dem viel gehüpft wird, setze ich  hin und wieder aus, wippe hin und her und sehe saucool dabei aus, während mir der Schweiß den Rücken runter läuft und ich so tue, als sei ich überhaupt gar nicht aus der Puste. Aber ich lasse mir hier mal gar nichts anmerken. Schließlich ist das hier Urban Street Dance und nicht der Rückenkurs I.

Yeah BABY Yeah

Dann geht es endlich an die Choreografie. Auch wenn die Kenner mich jetzt schelten, es ist schon recht nah an dem was man aus den HipHop Videos kennt. Der Effekt lebt von dem kurzen Stoppen der Bewegungen. Meist hat man etwas angewinkelte Knie und nimmt eine coole Pose ein.

Einer der Mittänzer meint noch, dass sie das schon vier Wochen üben und ich mir mal keinen Kopf machen soll, wenn es nicht gleich klappt.
“Hm, hm, danke.”

Die Choreo geht los und ich switche mit meiner Aufmerksamkeit zwischen der Trainerin, meinem Spiegelbild und den Anderen. Die Jungs zwinkern sich, auf meinen Po glotzend, zu. (Leute, wir stehen vor einem Spiegel!) verbuche ich mal als Kompliment für meine Kiste.

Ich komme gut mit, mache eine mindestens genauso coole Figur wie die Anderen vor dem Spiegel, nur an meinem Outfit muss ich wohl arbeiten. Hier tragen die Jungs weite Hosen, gern Jeans, halt direkt von der Straße und die Frauen so enge kurze Oberteile. In beidem sehe ich mich ja eher nicht. Aber eine weite Joggingbux habe ich noch und einen alten Hoodie aus San Francisco. Mit meinen Leggins bin ich jedenfalls total 2010.

Eitelkeiten helfen selten

Im weiteren Teil der Choreographie gibt es was mit in die Hocke gehen und hochspringen. Hm, bisher war alles prima, was soll denn der Scheiß jetzt, da muss ich mir was einfallen lassen. Wenn ich in die Hocke gehe, komme ich garantiert nicht mehr hoch, über das mit dem Springen fange ich gar nicht erst an nach zu denken.

„Lass dir was einfallen, lass dir was einfallen, verdammt, noch drei Takte – Runter – Hoch – Arghhg“ Das war das Knie. Nichts anmerken lassen, einfach weiter machen. Tut nicht weh, tut nicht weh, weh, weh. VERDAMMTE EITELKEIT.

Nächste Runde, wir werden in zwei Gruppen geteilt und immer eine tanzt.
„Prima, ich möchte in die, die nicht in die Hocke muss!“ Vier, fünf, sechs, gleich kommt sie, die blöde Stelle. Ich deute die Hocke an und reiße damit die tänzerische Qualität unserer Gruppen ins bodenlose. Mist. Aber als die Neue darf ich das bestimmt.

„Hi hi, da habe ich mich wohl verzählt und schon schwups, naja, runter – rauf, wer weiß das schon so und noch mal schwups und schon waren die drei Takte um“
Der junge Mann vom Anfang meint: hey Du hast das echt super gemacht. (die Bäckchen werden noch röter) für das erst Mal (danke! Arsch)

Zuhause steht schon das Magnesium bereit, das hätte ich mal vorher nehmen sollen, ich Traumtänzerin. Mein Knie ist dick und tut weh.  Mit 22jährigen mithalten wollen und nicht mal zugeben können, das man sich weh getan hat. Eispack, Sportgel, Fernbedienung, Sofa und hoffen, dass das kein Dauerthema wird mit dem Knie.

Fazit Urban Street Dance:

Es ist nicht unbedingt etwas nur für junge Menschen, aber jung sein hat hier Vorteile. Die können das auch ohne großartig trainiert zu sein und müssen nicht gleich zum Arzt, wenn sie mal hinfallen. Wer Schwierigkeiten mit Choreografien hat, wird es hier schwer haben. Wie so oft im Leben ist das, was total einfach aussieht schwer und anstrengend.

Hopp oder Top:
Top und Hopp. Ich würde das gerne weiter machen, aber dafür muss ich wohl besser gerüstet und trainiert sein.

Nächste Woche wird es ruhiger und da kann garantiert nichts weh tun: Balance Workout. Klingt verdächtig nach Duftkerzen.

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Über Ulrike Bartos 368 Artikel
Mehr als 15 Jahre Erfahrung in den digitalen Medien, Media Marketing und Kommunikationsprofi. Inhaberin von miss BARTOZ und consulting für digitale Markenkommunikation, Content Marketing, freie Honorardozentin www.ulrikebartos.de

3 Kommentare

  1. Lustig! Ich hab immer nach einem Streetdance-Kurs für ältere in Hamburg gesucht. Nun kann ich mir ungefähr vorstellen, wie ich mich dabei fühlen würde: alt! ;-) Danke!

  2. Danke, liebe Ulrike. Ich habe mich, wie auch schon bei deinem Zumba-Beitrag, köstlich amüsiert. Könnte glatt ich sein, da in dem Kurs. Nun würde ich es gern ausprobieren. Also, dieses Street Style Dings. Aber in meinem Studio wird das leider nicht angeboten. Naja, ich werde dann mal das VHS Programm studieren. ;)

1 Trackback / Pingback

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