Zumba: der Club Med

Ich bin ja eher so der Typ, der sich auf der auf der Chaiselonge liegend, die Weintrauben reichen lässt. Aber ab und zu bewege ich mich auch mal.

Was ich da so erlebe, schreibe ich hier im Editorial.

Zumba

Diese Sportart soll so sein, dass man gar nicht merkt Sport zu machen. Super, nehm ich!

„Club Med“ dachte ich, das habe ich in einer Club Med Doku im Fernsehen gesehen! Alle hüpfen rum und sind total HAPPY! Ok, ich werde mal mein Ross verlassen und mich in die Masse von knapp 60 total Happypeople stellen und so tun als sei ich auch TOTAAL HAPPY! Natürlich bin ich das nicht, mache aber trotzdem tapfer mit.

Es geht hin, her, hin, her, hoch, runter und im Kreis herum. Arme hoch, Arme links, rechts, runter und immer schön den Poschie wackeln. Das alles zu Salsamusik und mit einer Choreografie, die jeder mitmachen kann. Wir klatschen, rufen irgendetwas und sollen LÄCHELN. Gar nicht so einfach, wenn man total aus der Puste ist und wie die ich-schwitze-nie-ich-bin-Latina Trainerin bei dem Tempo noch sprechen kann, finde ich sehr unheimlich.

Die nehmen doch alle Drogen

Ich schaue ab und zu einer Mitturnerin in mit diesem wissenden “hey, du willst doch auch lieber auf dem Sofa liegen, was für ein gehampel hier” Blick an. Aber alle, egal welchen Alters, sind voll auf der totally-happy Droge. Ah! sie haben vorher was verteilt! Kleine bunte Pillen und ich habe keine bekommen, darf also auch konzentriert statt albern schauen. (konzentiert heißt bei mir: Merkel-Lippe one-100% grumpy)

Hier gibt es nicht eine lange Abfolge von Schritten, sondern jedes Lied hat eine neue Folge. Wenn mir in einem Lied zu viel gehopst wird, mache ich trotzdem mit, denn in 3,5 Minuten ist es ja vorbei. Sehr tricky und das ohne Pillen!

Rechts ist da, wo der Daumen links ist

Zumba ist tatsächlich so wie alle sagen: Just dance. Hier sind alle Altersklassen und Körpertypen vertreten. Und es zeigt sich wieder mal sehr deutlich, dass Fitness weder etwas mit Alter, noch mit Gewicht zu tun hat. Ich bin mit meinem Bauch hier nicht allein und gehöre auch lange nicht zu den Schwächsten.


Zumba kann jeder machen, der einen Viervierteltakt klatschen kann und so ein Salsaschritt, den kann man ja bekanntlich auch mit zwei Gläschen Mescal intus. Etwas holperig wird es, wenn man einen Rechts-Links-Legastheniker neben sich hat und man sich in vier Schritten aufeinander zu dreht, bis es kracht. Rechts, rechts, noch zwei Tippelschritte, Arme hoch, rechts BÄHM! Ohne Abremsen knallen meine Nachbarin und ich zusammen. Erst schaut sie mich böse an, mit einem kleinen Blick auf die anderen, merkt sie, das sie das blinde Huhn war und entschudligt sich.
Protipp: versetzt in den Reihen stellen.

Nach jedem Lied applaudieren alle, das gefällt mir. Im Raum nebenan springen seit gefühlten zwanzig Minuten 45 Leute den Hampelmann, AUF ZU AUF ZU AUF ZU AUF ZU auf dem Kasernenhof wird nicht gejubelt, das machen nur wir vom Club Med.

Ein bisschen ist es wie früher in der Disco, wo man getanzt hatte, bis einem der Schweiß in Sturzbächen runter lief. Wo kann man das schon? Macht ja keiner mehr. Heute steht man cool in Clubs und wippt rum. Vielleicht ist das auch der große Erfolg von Zumba, die Erinnerung an klebrige Cocktails, die erste Knutscherei und den ersten Liebeskummer, der sich oft dramatischer darstellte, als er wirklich war. Damals lautete das Motto: ich steeeeeerbe und das passt gerade ganz gut zu meiner Verfassung, nach bereits 40 Minuten rumhampeln.

Manchmal kreuzen sich die Blicke der Teilnehmerinnen und jede kichert in sich rein, weil man vielleicht gerade, völlig selbstvergessen, zu sehr mit dem Po gewackelt oder zu sehr die Oberweite geshaked hat. Zumba ist einfach mal voll für’n Arsch – und was für einen! Stramme Pobacken bekommt man hier in jedem Fall.

Klar, es sind auch die Übereifrigen da, die die im Bikinioberteil DIREKT VOR DEM SPIEGEL noch hinter der Trainerin tanzen – ich sag ja: ein bisschen wie auf dem Schulhof.

Fazit Zumba:

Vorteile:
– Es kann wirklich jeder, auch die Jungs!
– Man kommt spielerisch total ins Schwitzen und irgendwann ist es dann so weit und das mit dem HAPPY! schwappt über.
Nachteile:
– Die Musik. Ich war noch nie ein wirklicher Latin-Fan. Für mich ist dieses Lambada für Arme ein Albtraum. Eine Soul-Zumba Stunde wäre eher mein Ding.
– Dieses Hola chica que tal, geht mir auch ein bisschen auf den Sender. Aber wenn ich mal wieder meine akademisch-feministische Phase habe, kann ich ja rüber zu dem Drillsergant und 30 Minuten den Hampelmann machen.
Hopp oder Top:
Ich habe lange nicht mehr so geschwitzt und war so fertig und genau deshalb werde ich wieder kommen.

Und nächste Woche gehe ich zu Urban Street Dance ab 16 Jahren. WAS? Über 16! Von bis 22 stand da nix!

Sharing is caring!
Über Ulrike Bartos 368 Artikel
Mehr als 15 Jahre Erfahrung in den digitalen Medien, Media Marketing und Kommunikationsprofi. Inhaberin von miss BARTOZ und consulting für digitale Markenkommunikation, Content Marketing, freie Honorardozentin www.ulrikebartos.de

8 Kommentare

  1. Ich mag ja Zumba, aber auch nicht IMMER die Musik. Ich liebe Sh’bam. Das ist ein Lizensprogramm von Les Mills und gibt es in vielen Studios. Da wird getanzt zu populärer Musik, nicht immer toll, aber halt nicht nur Latin. Pro Vierteljahr gibt es eine neue Choreo und in dem Vierteljahr hat man echt die Chance die Choreo zu lernen!
    LIebe Grüße

  2. Ich habe Zumba letztes Jahr getestet – und war sehr enttäuscht. Ja, geschwitzt hab ich sehr! ;) aber es hat kein bisschen Spaß gemacht. Nichtmal in der Gruppe, in der wir waren. Es gab für uns keine kurze Einweisung zu Beginn, die Choreo wiederholte sich fast gar nicht und die Musik war doof.
    Seitdem hab ich noch weniger Lust, das Zumba für die Wii zu testen, dass ich mir vorher schon gekauft hatte und seitdem weiter im Regal verstaubt.. :/

  3. Es ging mir genauso wie Alessandra. Und die Musik bzw. die Texte … “leider” verstehe ich fast jedes Wort und hätte mich bei dem Schmalz, der aus den Boxen quoll, fast übergeben. Ich konnte mich nie aufraffen, ein zweites Mal hinzugehen und bleibe beim Aquarobic, auch wenn die Musik dort auch immer schlimmer wird – bedingt durch einen Überhang an den Jahrgängen 60+. ;)

  4. Hahahaha, köstlich amüsiert, vielen Dank dafür! Ich muss gestehen, ich wollte Zumba auch schon seit Jahren ausprobieren. Mir steht es nun immer noch bevor ;-)

  5. Ich war ja auch mal im Zumba, fand aber ganz und gar nicht dass das jeder kann :D ich konnte es nicht. Alle konnten die Choreos schon auswendig und ich war nur damit beschäftigt die Schrittfolge irgendwie nachahmen zu können was ich sehr schwierig fand :p

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*